Ohne Moos nix los

Was gibt es schöneres, als einen weichen Moosteppich unter dem Bäumchen, der anmutige Polster bildet und dabei noch Wasser speichert.

Wenn ich es richtig verstanden habe, empfinden die japanischen Meister einen nackten Boden als unschön. Bedeckung ist ihnen wichtig. Passendes Moos ist dafür ideal. Welche der rund 16.000 Moosarten mag wohl optimal sein? Klar ist: Sternmoos und Lebermoos gehören nicht dazu. Was wir als Moos kennen, kann ganz unterschiedlich ausschauen:

Moospolster am Liguster Forsythie in Wurzelform

Wie kommt Moos unter den Baum ?

Moos sammeln ist am einfachsten. Eine Spachtel hilft dabei, es von Steinen und anderen Unterlagen zu lösen. Das geht leicht, denn Moos kommt ohne Wurzeln aus. Jeder Brösel kann verwendet werden, denn dieser muntere Überlebenskünstler braucht ganz viel Feuchtigkeit bei wenig Licht und wächst auf fast jedem Granulat und vielen Oberflächen.

Damit es besser anwächst, siebe ich aus Akadama den feinen Lehmstaub aus, der ohnehin nicht in die Schale gehört. Bevor ich Moos auflege, verteile ich den Lehmstaub auf der Oberfläche. Dadurch wird der Feuchtigkeitsaustausch mit der Schale verbessert, das Moos gedeiht besser und gibt überschüssiges Wasser an die Schale ab. Habe ich nicht genug Lehm, siebe ich Anzuchterde aus. Das funktioniert auch recht gut.

Wer kein Moos hat, geht genau so vor. Auf der glatten Oberfläche mit Akadama-Staub kommen ziemlich bald Moossporen an – es wächst. Das kostet mehr Zeit und unterliegt dem Zufall. Du hast keinen Einfluß, welche Art von Moos sich bei deinem Bäumchen ansiedelt. Sammeln und vermehren bietet sich also eher an.

Links: Sternmoos „passt“ hier ausnahmsweise, weil Baum 80 cm hoch ist.
Rechts: Bäumchen auf einem Stein, komplett mit Moos bedeckt.

Die Buttermilch-Methode

Das klingt vielleicht seltsam, liefert aber einen gleichmässigen, schönen Moosteppich. So gehst Du vor:

• Du sammelst eine Sorte Moos, die dir zusagt. So etwa 3 Hände voll sind gut.
• Das Moos wird von Erde und Fremdkörpern gereinigt (ordentlich waschen).
• Mit 1 – 2 Tassen Buttermilch oder Naturjoghurt wird diese Masse im Mixer verquirlt.

Den Mixer nicht zu lange laufen lassen. Wenn eine offensichtlich streichfähige Paste entstanden ist, bist du fertig.

Den Moosbrei kannst du mit einem Pinsel unter deinem Bäumchen verteilen und bekommst innerhalb von 2 – 3 Monaten einen gleichmässigen Moosteppich. Immer schön feucht halten und keine volle Sonne,, bitte! Du kannst organischen Dünger ins Gießwasser tun (>> Bokashi) und das Moos damit besprühen. Ich bilde mir ein, es gedeiht dadurch noch etwas besser.

Moos aus Sporen gewinnen

Wahrscheinlich hast du auch schon mal gesehen, dass Moos „Haare bekommt“ und am Ende dieser Haare kleine Kügelchen entwickelt. Diese Kügelchen tragen die Sporen.

Wenn du die Sporen vorsichtig abtrennst, danach 14 Tage auf Papier (Löschpapier ist optimal) abtrocknen lässt und in einem Mörser vorsichtig zerstampfst, dann bekommst du Moossporen, aus denen wieder Moos nachwächst. Das braucht seine Zeit, funktioniert aber zuverlässig. Du kannst diese Sporen auch verwenden, um deine erste „Moosfarm“ an zu legen. Ein Verdunstungsschutz mit Zellophan ist dafür zu empfehlen. Organischer Dünger im versprühten Giesswasser hat sich auch dafür wieder bewährt.

Erfahrungen mit Moospolstern

Moosfarm
Es lohnt, sich eine „Moosfarm“ an zu legen. Ein schattiger Platz im Garten ist geeignet. Bei mir sind es ein paar Sandsteinplatten, auf denen ständig ein Moospolster nachwächst. Dabei beschränke ich mich auf 3 Moossorten.

Anordnung in der Schale
In der Schale genügen ein paar Pölsterchen, die nach und nach zusammen wachsen. Bitte darauf achten, dass der Stammansatz nicht überwuchert wird. Das sieht hässlich aus und verdeckt das Nebari (so, wie oben bei meinem Liguster. Da war ich zu langsam).

Vögel
Last, but not least: Vögel, meist größere Exemplare wie der Eichelhäher, vermuten unter Moos gerne mal ihre nächste Mahlzeit. Speziell im Hochsommer vernichten sie die Arbeit ganzer Wochen und zerhacken jedes Moospolster, das sie dann lustvoll so weit schleudern, wie nur möglich.

Bei mir half zuletzt nur noch, die Schalen mit Netzen ab zu decken. Sieht blöde aus, war aber die einfachste Lösung. Seit Mitte/ Ende September ist Ruhe.

Schneckeneier
Schnecken lieben Moos zur Eiablage. Die Kügelchen fallen sofort auf, sind aber nicht einfach zu entfernen. Manchmal kann man das Moospolster nur noch mit der Pinzette in Stücke rupfen und fängt dann noch mal von vorne an.

Feuchtigkeitsreservoir
Moos ist offenbar ein ausgezeichnetes Feuchtigkeitsreservoir in der warmen Jahreszeit. Man gießt kräftig so lange, bis das Wasser aus den Drainagelöchern der Schale austritt. Wenn man sich die Mühe macht, dafür einen Meßzylinder (aus der Küche) zu nutzen, stellt man befriedigt fest, das etwa 1/3 mehr Wasser in der Schale bleibt, als ohne Moos. Das Wasser steckt zum Teil im Moos und sickert langsam nach unten durch.

Ein weiterer Effekt: Wenn es heiß wird, schützt Moos den Baum vor dem Austrocknen. Das ist keine „Lebensversicherung“, aber es hilft.

Auch wenn dein Moos im Hochsommer absterben sollte: Sobald die größte Hitze vorbei ist, wird es nach und nach wieder grün.